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„Iza paravana“: die Frau, die sich nicht begehrt fühlt

Aus dem Kroatischen übersetzt.

Jede kleine Stadt hat ihre Regeln, genau wie jede größere. Nur weiß man in der kleinen schon im Voraus, wer die berechenbaren Akteure sind. So wie es einen Mann gibt, der jeden Tag seine Runden durchs Zentrum dreht und dabei eine Zigarette raucht. Wie Buddhisten mit ihren fünfstündigen Gehmeditationen wiederholt er täglich dasselbe Ritual – sein eigenes „Und täglich grüßt das Murmeltier“ auf unserem Platz. Genauso hat jede Straße jemanden, der jeden Tag am selben Platz sitzt, zur selben Zeit Kaffee trinkt und mit derselben Geste grüßt.

Jede Ehe hat ihre Routinen und jedes Leben seine unausgesprochenen Geschichten. Und irgendwo zwischen dieser Routine, zwischen Pflichten, Kindern, Arbeit und Müdigkeit, merkt sie, dass sie sich nicht mehr begehrt fühlt.

„Iza paravana“ – eine Geschichte von Sehnsucht und Routine

Das Stück Iza paravana („Hinter dem Paravent“) des Theaters KNAP mit Katarina Baban und Vladimir Posavec Tušek zeigt genau dieses Spiel aus Anziehung, Routine und unerfüllten Wünschen.

Sie ist eine gesprächige, freie, direkte Frau, die über Beziehungen und ohne Überweisung zur Untersuchung kommt. Er ist Onkologe, gewohnt an Regeln, Strenge und die Berechenbarkeit seines Arbeitsalltags. Und dann platzt sie herein – wie ein Hauch von Unberechenbarkeit, wie etwas, das er nicht ist, wie Unordnung in seiner Ordnung. Jahrelang kommt sie zu den Untersuchungen. Neben Ehe, Mutterschaft und Beziehung versinkt sie langsam in sich selbst. Er sieht das. Die Anziehung ist da, aber sie wird nie ausgelebt. Da sind Sehnsucht, Fantasie, vielleicht der einzige Moment von Präsenz und Genuss in ihrem Leben – einmal im Jahr, in einer Arztpraxis. Ist das nicht ein wenig grotesk?

Fantasien – Flucht oder Bedürfnis?

Wie viele Frauen fantasieren gerade in den Momenten, in denen sie nur an sich denken dürfen?

Wenn sie einmal im Jahr, vielleicht beim Arzt, beim Friseur oder in den paar Minuten, in denen sie sich im Bad einschließen, etwas außerhalb der Routine spüren können? Vielleicht kommen Fantasien nicht aus dem Wunsch nach einem anderen, sondern aus einem vergessenen Bedürfnis, begehrt und gesehen zu werden. Und vielleicht sind sie der einzige Weg, sich daran zu erinnern, wer sie waren, bevor sie zur guten Ehefrau, verantwortungsvollen Mutter und zuverlässigen Arbeitskraft wurden.

Hinter dem Paravent – hinter dem Leben, das wir führen

Vielleicht liegt das Problem nicht beim Ehemann. Vielleicht auch nicht bei der anderen. Vielleicht liegt es darin, dass sie unterwegs sich selbst vergessen hat. Auch ich habe mich so gefühlt. Auch ich habe Bestätigung gesucht. Und ja, ich hatte Affären. Nicht aus Rache. Nicht aus Hass. Nicht weil mein Mann ein schlechter Mensch war. Sie passierten, weil sie mich daran erinnerten, dass es mich gibt. Dass ich lebendig bin. Dass ich nicht nur jemandes Frau, jemandes Mutter, jemandes Funktion bin. Manchmal denke ich, diese heimlichen Episoden waren die einzigen Momente, in denen ich ganz präsent war. In denen ich weder an gestern noch an morgen dachte, sondern nur an diese Berührung, diesen Blick, diesen Moment, in dem ich ich war und nicht jemandes Pflicht. Das ist keine Rechtfertigung, auch kein Geständnis, nur eine Tatsache. Wie viele von uns haben wirklich Zeit für sich? Wie viele wissen überhaupt, was sie mit sich anfangen sollen, wenn sie allein sind? Denn es geht nicht nur um den Mann, der uns nicht mehr sieht, sondern auch darum, dass wir selbst aufhören, uns anzusehen. Wir hören auf, uns selbst zu gefallen. Und dann kommt jemand, der uns sieht.

Und plötzlich sind wir wieder da. Vielleicht könnten wir, statt darauf zu warten, dass uns jemand anderes sagt, dass wir begehrenswert sind, einen Weg finden, es selbst zu spüren. Ohne Bestätigung. Ohne Fragen.

Nur wir.