Bewegung, Tanz und die Freiheit der Frau
Aus dem Kroatischen übersetzt.
Der Tanz der 5Rhythmen ist für mich ein Raum der Freiheit. Nicht weil er Regeln hat, sondern gerade weil er keine hat. Die Methode wurde von Gabrielle Roth entwickelt, einer Tänzerin, die das Gefühl hatte, die Welt des klassischen Balletts sei zu starr, zu verschlossen. Im Ballett mussten die Bewegungen „richtig“ sein, der Körper perfekt ausgerichtet, alles unter Kontrolle. Doch was ist mit den Bewegungen, die von innen kommen, die nicht vorgegeben sind, sondern aus dem Herzen, aus dem Gefühl entspringen?
Deshalb schuf sie den Tanz der 5Rhythmen – eine Methode, die keine Perfektion verlangt, sondern den Körper in seiner eigenen Sprache sprechen lässt. Jeder Rhythmus – fließend, Stakkato, Chaos, lyrisch und Stille – trägt seine eigene Energie, Geschichte und Emotion. Durch sie löst sich, was uns bedrückt, wir finden unseren eigenen Rhythmus, und was in uns verborgen ist, kommt an die Oberfläche.
Denn wie viel lernen wir zu verstecken?
Schon als kleine Mädchen lernen wir, wie wir sitzen, wie wir gehen, wie wir hübsch sein sollen, aber nicht zu sehr, klug, aber nicht zu sehr, sanft, aber nicht zu sehr. Alles mit einem Ziel – damit wir angenommen werden.
Wenn Freiheit zu einem weiteren Käfig wird
Bei einem Tanzworkshop in Paris erwartete ich genau das – Freiheit. Geleitet wurde er von Nawal Raad, einer Iranerin, Dichterin und Tänzerin, die durch Ausdruck einen Ausweg aus der Unterdrückung suchte. Stattdessen hörte ich die Worte: „Nein, das ist nicht gut. So macht man das nicht.“ Das hat mich innehalten lassen. Wie kann jemand, der für Freiheit kämpft, einem anderen sagen, dass er nicht gut ist? Vielleicht war ihr gar nicht bewusst, wie sehr der äußere Druck in ihr geblieben war, wie sehr er zu ihrer inneren Stimme geworden war – zu der, die zurückhält, statt zu befreien.
So viel unterdrücken wir, passen uns an, verändern uns in dem Glauben, dass wir so angenommen werden. Dabei entfernen wir uns nur immer weiter von uns selbst. Deshalb liebe ich den Tanz der 5Rhythmen. Weil ich dort mit mir in Kontakt sein kann. Mit allem, was sonst keinen Raum hat, sich auszudrücken. Denn ich muss eine okaye Arbeitskraft sein, eine okaye Mutter, eine okaye Partnerin, eine okaye Tochter, eine okaye Freundin.
Und je mehr ich mich bemühe, für sie alle „okay“ zu sein, desto weniger okay bin ich mit mir selbst. Und dann auch nicht mehr mit ihnen.
Man sagt: Es reicht, okay zu sein. Aber was heißt das überhaupt? Alles anzunehmen, was ich bin, auch wenn ich jemandes Erwartungen nicht entspreche. Weder die perfekte Frau noch Mutter, Freundin oder Partnerin sein zu müssen – sondern einfach genug. Das klingt einfach, ist es aber nicht. Doch wenn ich tanze, fällt es mir am leichtesten.
Wenn Ausdruck Leben rettet
Ausdruck kann Leben retten – manchmal ganz wörtlich. Ich habe auf HRT 3 einen Film über Janet Frame gesehen. Ihr hat man nicht das Tanzen beigebracht, sondern das Schweigen. Sie war introvertiert, anders, sah die Welt mit eigenen Augen. Und deshalb diagnostizierte man bei ihr Schizophrenie. Man sperrte sie in eine psychiatrische Anstalt. Acht Jahre lang. Sie durchlitt Elektroschocks, Schlaflosigkeit, Einsamkeit. Beinahe auch eine Lobotomie. Und dann gewann sie einen Literaturpreis. Und plötzlich – war sie wertvoll. Plötzlich – war sie angenommen. Vor dem Preis war sie „gestört“. Nach dem Preis – genial.
Wie oft hat die Gesellschaft eine Frau davon überzeugt, dass sie nicht normal ist?
Wie oft reichte es schon, nicht hineinzupassen, um abgelehnt zu werden? Und doch hörte Janet Frame nicht auf zu schreiben. Nawal Raad hörte nicht auf zu tanzen. Und ich? Ich tanze. Ich schreibe. Ich bewege mich. Ich drücke mich aus. Denn Ausdruck kann uns retten.
Ob durch Tanz, durch Schreiben, durch die Stimme, durch irgendein Medium oder alle zusammen. Nicht für Anerkennung, nicht für Preise, nicht für andere. Sondern weil wir dadurch werden, wer wir sind.
