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Es anderen recht machen und gesunder Egoismus

Aus dem Kroatischen übersetzt.

Sicher waren wir alle schon einmal in einer Situation, in der wir das Bedürfnis hatten, es anderen recht zu machen, „brav“ zu sein, das zu tun, was von uns erwartet wird – selbst wenn das hieß, die eigenen Bedürfnisse zu vernachlässigen.

Dieser Wunsch, es allen recht zu machen, kann uns enorm erschöpfen und das Gefühl hinterlassen, dass wir unser Leben nicht so leben, wie wir es möchten.

Warum tun wir das?

Vielleicht fragen wir uns, warum es uns so wichtig ist, anderen zu gefallen. Manchmal tun wir es aus Angst, abgelehnt oder verurteilt zu werden.

Wenn wir Dinge tun, die andere zufriedenstellen, fühlen wir uns angenommen. Doch oft tun wir es auf eigene Kosten, weil wir dazu neigen, uns von unseren eigenen Wünschen und Bedürfnissen zurückzuziehen. Dabei verlieren wir unsere Authentizität – wir werden zu dem, was andere in uns sehen wollen, und nicht zu dem, was wir wirklich sind.

Schuldgefühle als Teil des Prozesses

Wenn wir beschließen, Grenzen zu setzen oder etwas für uns selbst zu tun, meldet sich oft ein schlechtes Gewissen. Wir fühlen uns schlecht, weil wir die Erwartungen anderer nicht erfüllen, weil wir Menschen um uns enttäuschen. Doch genau hier zeigt sich, dass Schuldgefühle ein normaler Teil des Prozesses sind. Sie können uns sogar helfen zu erkennen, wie sehr uns andere am Herzen liegen. Es ist ein Gefühl, das uns daran erinnert, dass wir nicht egoistisch handeln, sondern die Menschen um uns schätzen.

Das heißt aber nicht, dass wir ihre Bedürfnisse ständig vor unsere eigenen stellen müssen. Passiert das zu oft, kommt der Moment, in dem wir merken, dass wir uns selbst vernachlässigt haben – und das ist auf Dauer nicht tragbar. Schuldgefühle können ein Signal sein, dass wir an unsere Grenzen stoßen und anfangen müssen, an unsere eigenen Bedürfnisse zu denken.

Gesunder Egoismus

Gesunder Egoismus ist nicht dasselbe wie Selbstsucht. Gemeint ist der Mut, Grenzen zu setzen und „Nein“ zu sagen, wenn es für unsere emotionale Gesundheit nötig ist. Dazu gehört auch, anzuerkennen, dass wir Menschen manchmal enttäuschen – und dass das in Ordnung ist. Solche Entscheidungen sind nicht leicht, aber es ist wichtig zu verstehen, dass sie uns nicht zu schlechten oder selbstsüchtigen Menschen machen.

Gesunder Egoismus heißt, uns an erste Stelle zu setzen, wenn wir es wirklich brauchen. Unsere Wünsche und Bedürfnisse anzuerkennen und uns zu erlauben, zu wachsen, an uns zu arbeiten und authentisch zu sein – ohne Angst, dafür abgelehnt zu werden.

Wann ist ein Kompromiss nötig, und wann nicht?

In Beziehungen – ob Freundschaft, Partnerschaft oder Familie – sind Kompromisse oft nötig. Doch immer wenn wir uns von Kompromissen erschöpft oder überlastet fühlen, ist das ein Zeichen, unsere Grenzen zu überdenken. Eine Grenze zu setzen heißt, sich für sich selbst zu entscheiden, auch wenn wir damit andere enttäuschen. Wenn wir aber spüren, dass uns ein Kompromiss zu emotionalem Gleichgewicht führt, dürfen wir offen dafür sein.

Es ist ein Prozess, ein Gleichgewicht zu finden, in dem wir unsere Bedürfnisse achten und trotzdem für die Menschen da sein können, die wir lieben.