Fleksiplina – Disziplin auf weibliche Art
Aus dem Kroatischen übersetzt.
Ich verwöhne mich gern – mit Massagen, Behandlungen, gutem Essen, Training, Erholung, Faulenzen. Ich mag aber auch das Gefühl, erledigt zu haben, was zu tun ist. Beides tut mir gut, je nach Tag, Zyklus, Moment. So sehr ich auch versuche, linear zu sein, überrascht es mich immer wieder, wie sich alles rechtzeitig fügt, wenn ich auf meine innere Uhr höre – eine, die weder streng männlich noch im Voraus in Tabellen festgelegt ist.
Anders als bei Männern, deren Hormonrhythmus über den Monat stabil ist, ist unsere Energie als Frauen nicht gleichmäßig verteilt. Zu Beginn des Zyklus haben wir mehr Kraft, treffen leichter Entscheidungen und sind fokussierter. Das ist die Zeit für härtere Trainings, intensive Projekte und Entscheidungen. Gegen Ende des Zyklus verlangt der Körper ganz natürlich nach Ruhe, mehr Erholung und Innenschau. Wenn ich das annehme und mich diesem Rhythmus anpasse, fließt alles leichter.
Früher dachte ich, Disziplin heiße nur, die Zähne zusammenzubeißen, härter zu pushen, strenger mit mir zu sein. Ich habe meinen Körper mit Training und Hungern drangsaliert, weil ich dachte, so würde ich eine bessere Version meiner selbst. Wenn ich ein Training ausließ oder etwas „Falsches“ aß, fühlte ich mich schuldig. Ich war überzeugt, dass alles ins Wasser fällt, wenn ich auch nur ein bisschen nachgebe.
Heute ist es anders. Ich trainiere, weil ich das Gefühl von Kraft und Leichtigkeit liebe, aber ich treibe mich nicht bis zum Schmerz. Ich wähle Essen, das mir guttut, bestrafe mich aber nicht, wenn ich Lust auf etwas „außerhalb des Plans“ habe. Ich höre auf mich. Statt gegen mich zu arbeiten, lerne ich, einen Rhythmus zu finden, in dem Körper und Geist zusammenarbeiten.
Echte Disziplin ist kein Zwang, sondern eine Vereinbarung mit mir selbst. Sie ist keine Angst vor dem Scheitern, sondern das Vertrauen, dass die Dinge ihren Weg finden, auch wenn ich manchmal innehalte. Disziplin auf weibliche Art liegt nicht im Zusammenpressen, sondern im Gespür dafür, wann es Zeit für Ruhe und wann für Bewegung ist. Wann Selbstliebe wirklich Liebe ist – und wann nur eine weitere Form von Kontrolle.
So wie ich mir gern Raum zum Entspannen gebe, muss ich mich manchmal auch daran erinnern, dass Disziplin ein Weg zu Ausgeglichenheit ist und kein Mittel, mich zu bestrafen. Denn Selbstliebe liegt nicht immer nur im Genießen – manchmal liegt sie auch darin, klug zu wählen, wann ich mich ermutige, etwas zu tun, und wann ich mit den To-do-Listen aufhöre. Und wie genießt man Disziplin? Indem wir uns für jeden Schritt loben, so banal er uns auch erscheinen mag. Indem wir aus Liebe zu uns selbst erkennen, dass nicht jeder Tag gleich ist und dass wir nicht gegen uns kämpfen müssen – sondern unsere Kämpfe klug wählen.
